Mein Traum war es lange Zeit, einen Rock zu nähen, der, typisch für die Zeit der Jahrhundertwende, überladen ist mit Spitzenbändern und -applikationen. Während dieser Rock ursprünglich und in erster Linie als Unterrock gedacht war, habe ich vor, ihn auch sichtbar als Überrock zu tragen.
Als Stoff habe ich einen gelben Baumwoll-Batist verwendet, den ich letztes Jahr auf einem Stoffmarkt in Kerkrade in den Niederlanden ergattert habe. Die Spitze ist teilweise selbst geklöppelt, teilweise gekauft. Darüber werde ich in einem weiteren zusätzlichen Post berichten.
Als Grundlage für den Rock diente ein Schnittmuster aus dem Jahr 1908. Diesen habe ich im Bereich der Taille und Hüfte an meine eigenen Maße angeglichen. Auch die Rocklänge wurde an meine Körpergröße angepasst.
Der untere Teil des Rockes, in dem sich die Spitze mit dem gelben Stoff abwechselt, wurde komplett neu konzipiert. In die gelben Stoffteile wurden Biesen eingearbeitet, die sich jedoch nach unten hin öffnen und dem Rock somit etwas mehr Saumweite gewähren. Typisch für Röcke der Jahrhundertwende ist es, dass sie im Hüftbereich relativ schmal sind, sich jedoch zum Saum hin leicht glockenförmig öffnen. Diese Silhouette wird durch die Biesen-Schnittteile unterstützt.
Die schmale Taille ist ebenfalls ein typisches Merkmal der 1900er Jahre. Während Korsetts unter anderem für ebendiese schmale Taille gesorgt haben, spielt auch die optische Illusion eine große Rolle. Indem man die Hüfte durch Hüftpolster breiter wirken lässt, erscheint die Taille umso schmaler. Daher sollten auch die Taillenbänder der Röcke so flach wie möglich sein, und keine Unebenheiten aufweisen.
In diesem Fall wurde das Taillenband in Form eines Belegs auf die Innenseite des Rockes eingearbeitet.
Die Innennähte des Rockes wurden teilweise per Hand versäubert. Hier wurde eine Seite der Nahtzugaben auf ca. 5 mm zurückgeschnitten, die andere Seite darübergeklappt und festgenäht. Die Naht ist nur minimal von außen sichtbar und bildet ein meiner Meinung nach schönes Detail.
Das Nähen des Rockes war sehr aufwändig, selbst wenn man von der Herstellung der Spitze absieht. Vor allem das kontinuierliche Nähen und Bügeln der Biesen hat sehr viele Stunden in Anspruch genommen. Aber es hat mir auch großen Spaß gemacht! Wer Spaß an solch einer „Puzzle-Arbeit“ hat, dem kann ich diesen Rockschnitt und diese Art Rockdesign nur empfehlen.
