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Nadelspitze - die ersten Schritte

Schon seit ich mich für Spitze im Allgemeinen interessiere, wollte ich noch mehr über die verschiedenen Spitzenarten und Herstellungsweisen herausfinden!
Alles fing mit dem Klöppeln an, welches ich mir im Winter 2020 beigebracht habe und seitdem mit großem Spaß weiterverfolge.
Aber eine andere Spitzenart interessiert mich mittlerweile genauso sehr: die Nadelspitze.

Vor ein paar Monaten entdeckte ich ein Video auf YouTube, in dem es um die berühmte Nadelspitze aus Alençon geht und wie sie heute immer noch vor Ort, im Zusammenhang mit dem Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle d’Alençon praktiziert wird.

Ich war besonders beeindruckt von dieser Technik, der Arbeit und dem Feingefühl, die dahintersteckten und wollte es gerne selbst einmal ausprobieren.

Was genau ist Nadelspitze?

Bei der Herstellung von Nadelspitze wird hauptsächlich mit Nadel und Faden gearbeitet.
Ein Motiv wird auf ein mit Folie überzogenes Papier gezeichnet und auf mehrere Lagen Stoff gelegt. Anschließend wird ein sog. Trassierfaden entlang des Musters gelegt und mit allen darunter liegenden Stoff- und Papierlagen fixiert. Dieser Faden bildet die Umrandung des Motivs. Die sich daraus ergebenen Flächen können anschließend mit verschiedenen Stichen gefüllt werden. Nadelspitze wird ausschließlich auf der Oberfläche gearbeitet und nicht durch die Vorlage gestochen.

Das nötige Zubehör:

The necessary materials:
  • 1 spitze Nähnadel
  • 1 stumpfe Tapisserie-Nadel
  • Nähgarn
  • Feines Garn aus Leinen oder Baumwolle (dazu später mehr)
  • Selbstklebende Bucheinbandfolie
  • Tonpapier (in dunklerem Farbton)
  • 2 Lagen Stoff, die etwa 2-3 cm größer sind als das Motiv
the necessary materials for making needle lace

Zuerst zeichne ich mein Motiv auf dickes Tonpapier und überklebe dieses mit der Bucheinbandfolie. Anschließend lege ich das Papier auf die beiden Stofflagen und hefte es an den Außenkanten mit groben Reihstichen auf die beiden Stofflagen. Dies macht es später einfacher, den Trassierfaden zu fixieren.

attatching the needle pad to the fabric

Anschließend wird der Trassierfaden gelegt (auch Cordonnet Faden genannt). Dieser besteht in meinem Fall aus einem doppelt gelegten Leinengarn der Feinheit NeL 35/2. Dieser Faden wird entlang des aufgezeichneten Musters gelegt. Anschließend wird mit einem gewöhnlichen Nähgarn durch alle Lagen gestochen und der Trassierfaden durch Umschlingen fixiert. Einfacher ist es, mit einem farblich kontrastierenden Nähgarn zu arbeiten. Das vereinfacht besonders das spätere Heraustrennen des Fadens.

detail photo of attaching the cordonnet thread

Gelangt man an eine Abzweigung der Umrandungslinie, so wird einer der doppelt gelegten Fäden entlang einer Abzweigung geführt, um den am Ende der Abzweigung befindlichen Faden geschlungen und wieder zurückgelegt und fixiert (s. Foto).

making a junction when attaching the cordonnet thread
the cordonnet thread

Nun da der Trassierfaden fertig angebracht wurde, können alle Flächen gefüllt werden.
In diesem 3x3 Gitter verwende ich unterschiedliche Techniken aus unterschiedlichen Quellen und arbeite mit verschiedenen Garnen.

the finished needle lace stitches

Die linke Spalte basiert auf YouTube-Videos von Michael-Dennis, der eine sehr ausführliche und präzise Anleitung für das Erstellen von Nadelspitze gibt. In dieser Arbeitsweise werden die einzelnen Flächen von oben nach unten gearbeitet, mit einer zum Betrachter gerichteten Nadelführung. Verwendet wurde das DMC Perlgarn No. 12.

Die mittlere Spalte wird in der Art und Weise gearbeitet, wie es für die französische Alençon-Spitze üblich ist. Dabei wird die Unterlage mit der darauf liegenden Spitze um den Zeigefinger gelegt und von den anderen Fingern festgehalten. Man füllt die Flächen von unten nach oben und sticht die Nadel von dem Betrachter aus weggerichtet.

Sehr hilfreich sind hier die YouTube-Videos von Cathy Monier.

Für die Spitze habe ich das Garn DMC Cordonnet No.100 benutzt.

Die rechte Spalte wird genau wie die linke Spalte gearbeitet, von oben nach unten. Die Stiche stammen aus dem Buch „Enzyclopädie der weiblichen Handarbeiten“ von Thérèse de Dillmont (1886). Diese hier verwendete Arbeitsweise empfand ich als die angenehmste. Der Faden verknotet weniger häufig als bei der Alençon-Spitze und die Fadenspannung lässt sich leichter kontrollieren. Verwendet habe ich hier ein 60/2 Bockens Leinengarn.

finished needle lace with description of lace stitches

Nach dem Ausfüllen aller Flächen werden alle Trassierfäden von einem Knopflochstich bedeckt. Dies bildet einen schönen Abschluss, bevor das Garn vom darunter liegenden Tonpapier gelöst werden kann.

Am besten löst man die Spitze, indem man die Stiche des Nähgarns zwischen den beiden Stofflagen auftrennt. So kann die Spitze nicht beschädigt werden. Als der letzte und vielleicht uninteressanteste Schritt müssen alle Nähgarn-Überbleibsel von der Spitze entfernt gehen. Hier kann eine Pinzette überaus hilfreich sein.

In diesem Beispiel wurde rotes Nähgarn verwendet, was von Vorteil- aber auch von Nachteil sein kann! Einerseits ist das Nähgarn besser zu erkennen und so kann sichergestellt werden, dass auch wirklich alle Überreste entfernt werden können. Andererseits passierte es hier häufig, dass kleine Faserreste des roten Nähgarns in der Spitze hängenbleiben und sich nicht mehr herausziehen lassen. Diese sind auf der Rückseite der Spitze nun sichtbar.

Bei meinem nächsten Versuch werde ich, denke ich, auf eine neutralere Garnfarbe umsteigen!

pulling the sewing thread pieces off of the needle lace
pulling the sewing thread pieces off of the needle lace

Trotz vieler Unreinheiten und einiger Fehler bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Die Tätigkeit der Nadelspitze ist unglaublich entspannend und macht sehr viel Spaß! In der Gestaltung der Spitze gibt es unendlich viele Möglichkeiten und man kann sich in Motiven, Farben und Mustern so sehr austoben! Man ist technisch weniger eingeschränkt, als man es zum Beispiel beim Klöppeln ist und kann seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Außerdem gibt es wenige andere Handarbeitstechniken, die sich so einfach transportieren und überall ausführen lassen, wie die Nadelspitze! So wird eine längere Zugfahrt, wie ich sie regelmäßig antrete, direkt viel angenehmer!

finished needle lace
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